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(Nucifraga caryocatactes)




Unverwechselbar ist er, der Tannenhäher. Er ist in etwa so groß wie der Eichelhäher, hat aber einen kürzeren Schwanz und einen langen, zugespitzten Schnabel. Er ist schokoladen-graubraun, trägt eine dunkle Kopfkappe und ist mit weißen Tupfen übersät. Die Flügel sind schwarz und die Unterschwanzdecken weiß. Im Flug fallen die weißen Spitzen der äußeren Schwanzfedern als weiße Schwanzbinde auf. Er ist auch aus größerer Entfernung gut vom Eichelhäher zu unterscheiden, denn der Tannenhäher wirkt durch seinen kurzen Schnabel kopflastig und fliegt nicht so flatternd wie der Eichelhäher, sondern geradlinig mit kräftigem Flügelschlag. Die Jungvögel sind heller und mit weniger deutlichen Fleckern, aber ähnlich gefiedert. Der Tannenhäher in Sibirien ist nur aus der Nähe an seinem schlankeren Schnabel und dem gegen die Schwanzbinde relativ kürzeren, schwarzen Schwanzabschnitt zu erkennen. Der Tannenhäher hat eine Größe von etwa 32 cm und ein Gewicht von 120 bis 230 Gramm. Die Männchen sind etwas schwerer als die Männchen. Tannenhäher werden bis zu 31 Jahre alt.


Der Tannenhäher brütet von März bis Mai. Es werden drei bis vier blassgrüne, bräunlich gefleckte Eier (selten zwei oder fünf) gelegt. Nach einer Brutzeit von etwa 18 Tagen schlüpfen die Jungen und verlassen das Nest nach 22 bis 28 Tagen. Sie werden dann noch bis zum 80. Lebenstag, manchmal auch bis zum 105! Lebenstag von den Eltern gefüttert.


Auffallend beim Tannenhäher ist der harte, wiederholte Ruf "gra-gra-gra-gra", der mit zunehmender Erregung rascher gereiht wird. Eine Folge von variablen Lauten wie "jäk", ein gedehntes "arrrr", verschiedene Klacklaute sind partnerbezogen, vermutlich sexuell motiviert und in lärmenden, zeremoniellen Versammlungen zu hören. Der Gesang des Tannenhähers ist ein leises, etwas abgehacktes gurgelnd-klirrendes, mit anderen Lauten durchsetztes plauderndes Geschwätz.


Durch das Vorkommen von bestimmten Hauptnahrungspflanzen, die für das Brutbiotop strukturbietend sind, wird das Verbreitungsgebiet bestimmt. Die Nominatform (Nucifraga c. caryocatactes) brütet in Europa, deren Vorkommen im Norden durch das Vorkommen der Haselnuss, im Süden durch das Verbreitungsareal der Fichte als wichtiges Requisit des Lebensraums begrenzt ist. Die wichtigsten Nahrungspflanzen sind die Zirbe im Gebirge (reimt sich) und die Haselnuss im Fichtenwald. Ostwärts von der Petschore brütet in Sibirien der Sibirische Tannenhäher. Auch er ist an Hauptnahrungspflanzen in seiner Heimat gebunden( Sibirische Arve und Zwergarve).


Er lebt in Nadelwäldern und Nadelmischwäldern, in denen (bzw. in deren Nähe) die Haselnuss und die Arve nicht fehlen dürfen. Dauervorräte an Samen der genannten Hauptnahrungspflanzen anzulegen, ist für den Tannenhäher lebensnotwendig, damit er mit ihnen den Winter überstehen und auch seine Brut damit füttern kann. Als bevorzugten Neststandort wählt der Tannenhäher dickungsreiche Fichtenwälder, sowie Arvenwälder. Die Hauptnahrungsquellen sollten dabei nicht weiter entfernt sein, als 15 Kilometer. Der Tannenhäher fehlt in Regionen, wie zum Beispiel rauhen Bergfichtenwäldern der Mittelgebirge, wenn dort keine Haselnüsse mehr vorkommen.


Obwohl sich der Tannenhäher, wie andere Rabenvögel auch, vielseitig ernähren kann, so sind seine Hauptnahrungsbestandteile Haselnüsse und Arvennüsse. Wenn sich die Gelegenheit bietet, wie etwa von Mai bis August, frisst er auch tierische Nahrung, wie Insekten, Spinnen, Kleinsäugern und gelegentlich Kleinvögel. Der Schnabel ist ein Spezialwerkzeug des Tannenhähers, der ihm zum Knacken von Nüssen dient. Ein Höcker am Unterschnabel verhindert, dass die Nuss beim Aufbeissen wegrutscht. Raffiniert. Der Oberschnabel hat die Funktion einer Pinzette. Die Schnabelform ist abhängig von der Hauptnahrung: Haselnüsse erfordern einen klobigeren Schnabel, als Arvennüsschen. Arvennüsschen werden aus Zapfen herausgehackt. Die Zapfenschuppen der Arven haben eine Sollbruchstelle, wodurch die Nüsschen leichter zu entnehmen sind, als bei anderen Koniferenzapfen. Im Kehlsack des Tannenhähers haben bis zu 20 Haselnüsse und 100 Arvennüsschen Platz. Je nach Angebot frisst der Tannenhäher auch Fichtensamen, Tannen-, Kiefern- und Latschensamen, Bucheckern, Eicheln, Walnüsse, Kirschen, sowie weiter Sämereien und Beeren. Nestling werden vorwiegend mit den im Vorjahr deponierten Arven- und Haselnüssen gefüttert. Zur Vorratshaltung werden die Nüsse einzeln wieder aus dem Kehlsack herausgewürgt und mit Schnabelhieben ein bis fünf Zentimeter tief in den Untergrund eingebracht. Anschließend bedeckt der Tannenhäher die Stelle mit Boden und Streu. Es gibt auch einzelne Verstecke in Bäumen, etwa in Spalten und Ritzen des Geästs oder in Flechtenpolstern. Während der Sammelzeit, die drei Monate andauert, versteckt der Tannenhäher je nach Ernte etwa 30.000 bis 100.000 Arvennüsschen oder ähnlich viele Haselnüsse. Bis zu 80 Prozent werden von den versteckten Nüssen wiedergefunden und das selbst noch unter einer Schneedecke, die einen halben Meter hoch ist. Erreicht werden die Nüsse durch Stollen, die vom Tannenhäher in den Schnee getrieben werden. Die liegengebliebenen Samen können austreiben. Da bevorzugt auf freien oder vegetationsarmen Flächen versteckt wird, haben die Tannenhäher im Gebirge eine große Bedeutung für die Pflanzung der Arve und somit für die natürliche Verjüngung von Arvewäldern der Hochlagen.