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(Corvus frugilegus)




Die Saatkrähe hat große Ähnlichkeit mit der Rabenrkähe und wird auf Distanz oft mit dieser verwechselt. Das Gefieder der Saatkrähe ist einheitlich schwarz, hat aber einen stärkeren bläulichen bis purpurnen Metallschimmer als das Gefieder der Rabenrkähe und der Kopf wirkt auch spitzhaubiger. Altvögel sind gut zu erkennen, denn sie haben eine weiße, nackte Schnabelbasis. Jungvögel haben noch eine schwarzbefiederte Schnabelbasis und sind dann schwierig von Rabenkrähenjungen zu unterscheiden. Hier sind der frühe Purpurglanz des Flügelgefieders, der schlankere Schnabel und die struppige Flankenbefiederung wichtige Unterscheidungsmerkmale beider Arten. Die Flankenfedern der Saatkrähe hängen locker herab und sehen aus wie Federhosen, was dem Vogel im Ganzen ein pummliges Aussehen verleiht. Der Schnabel ist schlanker und der Oberschnabel weniger gebogen, als bei der Rabenrkrähe. Im Flug zeigen sich die Flügel im Vergleich zur Rabenrkrähe schmaler und spitzer, was daraus resultiert, dass die Saatkrähe ein Langstreckenflieger ist. Der Schwanz ist mehr gerundet, als bei der Rabenkrähe. Saatkrähen werden etwa 46 cm groß und das Gewicht beträgt bei weiblichen Tieren 380 bis 580 Gramm, bei männlichen 425 bis 650 Gramm. Saatkrähen werden 19 Jahre alt.


Die Saatkrähe brütet von März bis Mitte April. Das Weibchen legt in einem Intervall von einem bis zwei Tagen drei bis sechs (selten mehr; bis zu neun) in Größe und Farbe (hellblau bis grünlich mit brauner bis grauer Fleckung) sehr variable Eier. Nach einer Brutdauer von 17 bis 18 Tagen schlüpfen die Jungen und verlassen das Nest nach einer Nestlingszeit von 30 bis 33 Tagen. Sie werden noch etwa sechs Wochen weiter gefüttert.


Im Vergleich zur Rabenkrähe ist das Krächzen tiefer, rauher, heiserer und länger gezogen. Der Ruf klingt wie "kraah","korr" "krarrr". Pärchen krächzen häufig im Duett. Im Herbst ist der Gesang oft stundenlang zu hören und hat, wie bei den anderen Rabenvögeln auch, keinen besonderen Grund und klingt wie ein leises, gurgelnd- bauchrednersiches, krächzend-krakelnden Plaudern, in dem alle möglichen Laute des Repertoires eingebaut sein können. Weniger begabt als die Rabenkrähe ist die Saatkrähe in der Nachahmung anderer Arten oder Geräuschen.


Die Saatkrähe brütet in der Nominatform (Corvus f. frugilegus) von Westeuropa bis nach Zentralsibirien. Sie fehlt in Südeuropa, großen Teilen Skandinaviens und Finnlands, wo sie nur vereinzelt an bestimmten Punkten brütet. Osteuropa, Nordfrankreich, England und Irland sind derzeit Schwerpunkte mit geschlossener Verbreitung. In Europa ist die Saatkrähe Bewohnerin von fruchtbaren Niederungen, Stromtälern und Tiefländern und steigt vereinzelt in waldarmen Gebieten in höhere Lagen. In Mitteleuropa ist das Verbreitungsbild durch intensive Verfolgung, lokale Ausrottung und durch das sehr unterschiedliche Lebensraumangebot stark zersplittet.


Ursprünglich waren in Europa baumarme Urstromtäler mit uferbegleitenden Galeriegehölzen, trockene Steppengebiete, feuchte Auen- und Überflutungsbereiche großer Ströme mit hohem Grundwasserstand Lebensraum der Saatkrähe. Seit mindestens 5000 Jahren wird die Verbreitung durch Ackerbau und Viehzucht in der geöffneten Kulturlandschaft mitgeprägt, ohne dass die ursprünglichen Lebensraumpräferenzen verloren gingen. Weiterhin brütet die Saatkrähe in den großen naturnahen Stromlandschaften Osteuropas. Gleichzeitig wurden alle durch Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung geprägte Kulturlandschaften besiedelt. Entscheidend für die Qualität des Lebenraums ist ein hoher Grundwasserstand und eine gewisse Bodenfeuchte, da in diesen Böden auch bei sommerlicher Trockenheit wichtige Organismen in Oberflächennähe zu finden sind und für die Saatkrähe erreichbar bleiben. Sandige, kiesige und im Sommer trockene, harte Böden meidet die Saatkrähe. Da von Natur aus die geeigneten Lebensraumstrukturen "geklumpt"waren (das gemäßigte Europa war ausserhalb der Stromtäler geschlossenes Waldland, in Steppen gab es nur wenige sommerfeuchte Bereiche), ist die Saatkrähe stark an die gemeinschaftliche Nutzung von Lebensräumen angepasst. Das bedeutet: Koloniebrüten und Beanspruchung von Schlafplätzen in (Aue-)gehölzen, Wäldchen, Baumgruppen mit Rundumsicht, sowie Nahrungssuche im großen Schwarm auf nahrungsreichen Flächen.

Durch dieses massierte Auftreten der Saatkrähe, kam es schon früh zu Verfolgung und Nachstellung durch den Menschen. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde die Saatkrähe zunächst nur im Winter, später auch als Brutvogel intensiv verfolgt und es kam zur Schutzflucht in Siedlungen, Parks und in die gehölzreichen Randbereich der Großstädte. Bis heute hält diese Verstädterung und der immer engere Anschluss an die Siedlungen an.


Die Saatkrähe ist ein ähnlich vielseitiger Allesfresser, wie alle anderen Corvus Arten, bei der, mehr als bei den anderen, das jeweilige Angebot die Hauptnahrung bestimmt. Im Durchschnitt besteht die Nahrung zu etwa 40 Prozent aus tierischer und zu 60 Prozent aus pflanzlicher Nahrung. Bei der Jungenaufzucht macht der tierische Anteil sogar 80 bis 100 Prozent aus!.

Hauptbeute der Saatkrähe sind Regenwürmer. Sind keine Regenwürmer auffindbar bzw. fehlen gänzlich, weicht die Saatkrähe auf Larven von Wiesenschnaken, Schnellkäfern oder Engerlingen und Raupen aus. Auch die Saatkrähe nutzt Massenvermehrungen von Insekten wie Maikäfern, Schnellkäfern, Rüsselkäfern, aber auch von Kleinsäugetieren wie Wühlmäusen, aus. Vogeleier sind, seltener als bei der Aaskrähe, Bestandteil der Nahrung. Aas wird auch nur dann aufgenommen, wenn es von anderen Aasfressern angeschnitten und zerkleinert wurde. In der pflanzlichen Nahrung überwiegen Samen, besonders Getreide (in Reihenfolge nach Beliebtheit: Mais, Weizen, Roggen und Hafer, Gerste), Beeren, Früchte, Knollen wie Kartoffeln und Nüsse. Dank des starken, gleichzeitig aber auch schlanken und spitzen Schnabels, ist die Saatkrähe in der Lage, zu stochern, zu bohren, zu graben und zu picken, was äusserst nützlich ist, um Organismen, die knapp unter der Bodenoberfläche zu finden sind, aufzunehmen. Saatkrähen schreiten im großen Verband aufrecht voran. Die Ergiebigkeit von Flächen und eine erfolgreiche Suche werden durch demonstratives Einfallen der Kumpanen erkannt. Im Nu sind zahlreiche Schwarmgenossen zur Stelle. Dies führt zu einer effizienten Ausbeute, da bei Untersuchungen heraus kam , dass Regenwürmer vermehrt dort anzutreffen waren, wo sich die meisten Krähen befanden. Ob die Saatkrähe hierbei die gleiche Technik anwendet, wie zum Beispiel die Amsel, in dem sie auf den Boden trommelt, damit die Würmer aus der Erde kommen, ist ungewiss. Oftmal ist dieses Gruppenverhalten auch auf den Feldern zu erkennen, wenn die Saatkrähen systematisch frisch gesätes Gras oder gerade keimendes Getreide auf dem Acker ausgräbt. Bei Keimlingen, die herausgezogen werden, interessiert die Saatkrähe nur das Korn bzw. der unterste Sproßabschnitt. Saatkrähen lassen sich nicht auf stehenden Getreidehalmen nieder und nutzen hier den Fall von reifem Getreide (etwa durch Überdüngung oder starkem Regen und Hagel), um die Körner der liegenden Frucht zu picken oder ganze Ähren zu pflücken. An Mais und Sonnenblume, sowie an Holunder, Vogelbeere oder Haselnuss werden Samen, ganz nach Singvogelmanier, an Stengel oder Zweige geklammert, abgeerntet.

Insekten werden aus der Schreitjagd heraus gepickt, aus kurzen Flugsprüngen gefangen, oder aus dem Fell von Weidetieren gesammelt. Saatkrähen können blitzschnell auf Wühlmäuse stossen oder aufgrund ihrer zahlmässigen Stärke, anderen Arten, selbst Raubvögeln wie den Milanen, die Nahrung abspenstig machen. Die Vielseitigkeit der Nahrungserwerbstechniken und die hohe Lernfähigkeit hilft der Saatkrähe, immer neue Futterquellen zu erschließen und diese Nutzung an die Jungen, die ihre persönlichen Techniken durch Lernen und Üben optimieren müssen, weiterzugeben. Saatkrähen wissen genau, wie Mais- und Getreidesilagen durch Aufhacken der Silofolien zu erreichen sind und sie ziehen geschickt hängende Meisenknödel mit den Füßen zu sich hoch und sie fressen zu Abertausenden auf Mülldeponien.

Vom Schwarmverhalten der Saatkrähe profitieren alle, meistens aber die ranghöchsten Vögel. Denn es lohnt sich, vor Erbeutern relativ sicher im großen Schwarm zu fressen, sich dabei an die erfolgreichen Erkunder zu halten und solange weiter zu fressen, bis ein anderer Platz neue und bessere Chancen bietet und die ganze Gruppe weiterzieht. Die Aktionsradien bei der Nahrungssuche sind zur Brutzeit (bei Standvögeln das ganze Jahr über) sehr klein (in Mitteleuropa zwei bis sechs Kilometer), was in der Umgebung von Brutkolonien, vor allem in landwirtschaftlichen Gebieten, in denen Ackerbau betrieben wird, zu großen Konflikten mit der Landwirtschaft führt. Das gleiche gilt für Mülldeponien, die von Saatkrähen in Massen besucht werden und die dort im Winter seßhaft werden. Im Winter wächst der Radius auf 15 Kilometer. Große Schlaf- und Überwinterungsgemeinschaften, die über 10.000 Tiere fassen können, haben noch größere Radien, meist 30 bis 35 Kilometer. In dieser Zeit werden Abfälle aller Art in den Siedlungen, sowie Erntereste auf den abgeernteten Feldern gefressen.

Im Bereich der Großstädte haben Saatkrähen viel kürzere Aktivitätszeiten, als ihre Artgenossen, die in ländlichen Gebieten überwintern. Das ist ein Nebeneffekt des viel geringeren Aufwandes, der dort zum Nahrungserwerb nötig ist. Durch diesen Vorteil kam es, neben der Verfolgung und der Suche nach Schutz, zur Verstädterung der Saatkrähe. In Jagdkreisen wird diese Schutzflucht fälschlicherweise immer wieder als Massenvermehrung bezeichnet. Die Schäden, die durch Saatkrähen entstehen, fallen in der lokalen Landwirtschaft nicht mehr ins Gewicht, als anhaltende Unwetter mit Hagelschlag und Platzregen.