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(Corvus corax)




Der Kolkrabe ist der größte unter den Rabenvögeln und nicht nur das, er ist auch der größte Singvogel der Welt. Er ist ca. 65 cm groß und hat erreicht Gewicht von 1070 bis 1230 bei den weiblichen und 1080 bis 1460 Gramm bei den männlichen Tieren. Das Gefieder des Kolkraben ist einheitlich schwarz mit einem metallischen Glanz. Auffallend beim Kolkraben sind die langen Kehlfedern unterhalb des Schnabels. Ein Markenzeichen ist der große, klobige Schnabel, der ebenfalls schwarz ist. Im Flug ist der Kolkrabe leicht durch seinen großen, massiven Kopf und seinen keilförmigen Schwanz zu erkennen. Er ist der einzige unter den Rabenvögeln, der auf dem Rücken fliegen kann, was durchaus sehr lustig aussieht. Oftmals wird er auf größere Distanz mit der Rabenkrähe verwechselt, doch hier hilft der völlig verschiedene Ruf und der langsamere Flügelschlag, die beiden Arten zu unterscheiden. Das höchste bekannte Alter eines Kolkraben im Freiland beträgt etwa 20 Jahre.


Der Kolkrabe brütet von Mitte Februar bis Mitte März und es werden drei bis sechs Eier in Abständern von 24, selten 48 Stunden gelegt. Die Eier sind grünbläulich oder hellgrün und grau, braun oder oliv gesprenkelt. Nach einer Brutdauer von 21 Tagen schlüpfen die Jungen und verlassen nach 43 bis 46 Tagen das Nest. Sie werden noch weitere 50 bis 60 Tage gefüttert und versorgt.


Typische Rufe und Laute des Kolkraben klingen wie "krook-krook-krook" oder "kropp-kropp-kropp" was man oft im Flug oder aber wenn sich der Kolkraben am Boden befindet, hören kann. Während sie der Kolkrabe im Rückenflug befindet, hört sich der Ruf an wie "rübb-rübb. Der Feindruf, bei Auftreten von Gefahren oder Feinden ist sehr laut und klingt wie "kraa-(kraa)", wobei hier die zweite Silbe meist nur angedeutet ist und deshalb auch in Klammern steht. Der Kolkrabe verfügt über ein gewaltiges Stimmenrepertoir, welches oft individuell abgewandelt ist und an dem sich Ehe- bzw. Lebenspartner persönlich erkennen können. Neben Lauten zur Aufforderungen an die Jungen zum Sperren, finden sich in dieser "Stimmensammlung" tiefwinselnde Zärtlichkeitsäusserungen, Drohlaute usw., sowie einen plaudernden, eher funktionslosen Jugendgesang. Der Rabe ist sehr lernfähig, was Stimmen betrifft und er kann täuschend echt Stimmen andere Rabenvögel, sowie menschliche Stimme nachahmen. Durch diese Lernfähigkeit werden auch viele angeborene Laute durch erlernte esetzt. Einzig Laute, die dem Lebenserhalt bzw. der Fortpflanzung dienen, werden nicht ersetzt, wie Alarmrufe, Einleitung der Paarung, sowie Bettel- und Standortrufe der Jungen.


Der Kolkrabe brütet in verschiedenen Unterarten von der Holarktis bis in den hohen Norden, er kommt an den Küsten Grönlands, auf Island und den Inseln des nördlichen Pazifiks vor. Im Süden trifft man ihn bis Mittelamerika, Vorderasien, im Himalaya und in Teilen Nordindiens an. Die Nominatform (Corvus c. corax)brütet in Europa, West- und Mittelsibirien bis hin zum Baikalsee. Der Kolkrabe fehlt in größeren Teilen Frankreichs, Großbritanniens und in den mitteleuropäischen tieferen Lagen. Als Brutvogel steigt er im Hochgebirge der Alpen bis auf 2500 Meter NN, in Nepal bis zu 5500 Metern NN.


Die ökologische Amplitude des Kolkraben ist sehr breit. Durch sein schnelles Lernen und der Fähigkeit, Dinge schnell zu erfassen und zu begreifen, sowie durch die Tatsache, dass es sich um einen vielseitigen Allesfresser handelt, ist es dem Kolraben möglich, vielfältige Landschaftstypen mit ganzjährig reichem Angebot an Nahrung zu besiedeln. In Naturlandschaften benötigt er im Winter ein ausreichendes Angebot an Aas, welches in Kulturlandschaften meist durch Abfall von Mülldeponien ersetzt bzw. ergänzt wird. Wichtig es, dass der Kolkrabe einen störungssicheren Brutplatz findet, den er bevorzugt in hohen alten Bäumen mit Schaftstämmen und in felsigen Gebieten in Steilwänden auswählt. Reine Waldgebiete werden von ihm gemieden und er bevorzugt hier eine Mischung aus Wald und Offenland. Ausschlaggebend für die Qualität seines Lebensraums ist hier die Länge der nahrungsergiebigen Waldränder und somit auch dichtebestimmend in der Ansiedlung. Je nach Region, in der der Kolkrabe lebt, passt er die Wahl seines Lebensraums den gegebenen Bedingungen an. So sind Kolkraben in den Alpen Mitteleuropas, einschließlich ihres Vorlandes und auch dem Schwarzwald, bevorzugt Felsbrüter in möglichst unzugänglichen Bereichen. Seit sich der Rabe dort wieder ausgedehnt hat, kommen auch erste Baumbruten vor.

Im Tiefland bevorzugt der Kolkrabe im Westen regional Buchen oder Eichen, nach Osten hin Kiefern als Horstbaum. Mit steigender Brutdichte und dem Austausch innerhalb der Population, verschwinden solche Bevorzugungen, die bei den reinen Felsbrüterpopulationen sicher auf die intensive Verfolgung zurückzuführen sind. Oft werden auch nicht so optimale Brutplätze, wie etwa in Gehölzen oder auf Einzelbäumen in der freien Flur ausgewählt, wenn die Dichte an Raben und der Mangel an Waldgebieten hoch ist. Gebietsunabhängige Nichtbrütertrupps halten sich am Tage an möglichst ergiebigen Nahrungsgründen, wie Mülldeponien auf und schlafen gemeinsam in Felswänden, Hangwäldern und Feldgehölzen. Obwohl der Kolkrabe das gute Nahrungsangebot in Kulturlandschaften nutzt, gibt es bis heute keine Horste oder Brutgelege in Städten oder Siedlungen.


Die Nahrung des Kolkraben, der ja ein vielseitiger Allesfresser ist, richtet sich nach dem lokalen, saisonalen und von Region zu Region variirenden Angebot. Bei den Tieren, die der Kolkrabe frisst, hat der Anteil an Säugetieren einen klaren Vorsprung vor dem Vogelanteil. Hier liegt der Anteil etwa drei zu eins, gelegentlich auch, wenn ergiebig, fünf zu eins. Hauptsächlich erbeutet der Kolkrabe Kleinsäugetiere. Er nutzt hier vor allem in manchen Gegenden die Massenvermehrungen von Wühlmäusen. Weiterhin gehören zu seiner tierischen Nahrung Vögel, deren Eier und Brut, Fische, Reptilien und Frösche. Eine große Rolle im Winter spielt Aas, wie Fallwild, Aufbruch von Wild, Rissen von Wölfen und Adlern, Verkehrsopfer und Weidertier- und Haustierkadaver. Auch frisst er Nachgeburten von Weidetieren und, was auch mit schuld ist an seinem schlechten Ruf, er tötet gelegentlich schwache, nicht von den Müttern versorgte Rehkitze und Lämmer. In der Zeit der Jungenaufzucht spielen Insekten eine große Rolle im Nahrungssortiment des Kolkraben.

Pflanzliche Nahrung wird je nach Saison und Vorkommen verwertet. Hierzu gehören Beeren, Obst, Pilze und Sämereien, wie Mais auf abgeernteten Feldern. Die Nichtbrüter fressen ganzjährig Abfälle an Deponien. Die Techniken zum Erwerb von Nahrung sind angesichts des hohen Lernverhaltens und des hochentwickelten Sozialverhaltens sehr vielseitig und individuell. Kolkraben gehen entweder einzeln, als Paar oder als Trupp (Nichtbrütertrupps) auf Nahrungssuche. Aus hohem Suchflug streichen sie zu ergiebigen Nahrungsquellen. Der Kolkrabe sucht, am Boden schreitend, lohnende Flächen ab. Frisch gedüngte Wiesen und Ufer mit Spülsäumen, wie etwa an Küsten werden gerne genutzt. In Gebirgsrevieren kennen Kolkraben die lokalen Thermikverhältnisse genau und befliegen das Jagdgebiet auf "energiesparenden" Routen, geschickt die Aufwinde nutzend. Bei gemeinsamem Auftreten von Kolkraben mit Wölfen, Adlern, Uhus und Wanderfalken, frisst er auch an deren Rissen und Beute mit. Selbst in Spanien jagt er den Gänsegeiern erfolgreich die Beute ab. Erfolgreiche Angriffe auf Vögel bis Taubengröße, gelingen dem fluggewandten Raben auch in der Luft. Nur größere Tiere, die entweder krank, schwach oder sonst irgendwie beeinträchtigt sind, werden angegriffen. Raben erkennen die Gunst einer Situation sofort und können dann zum Beispiel auch Hausgeflügel am Hof (besonders aber an Massenhaltungen) erbeuten, was ihm wiederrum einen Negativbonus bei Landwirten und Haltern einbringt. Weitere Techniken wie das Hochtragen und Fallenlassen harter Objekte (Muscheln, Schnecken) kommt ähnlich vor wie bei den Rabenkrähen. Während Hungerzeiten verstecken Kolkraben vor allem fettreiche Nahrungsbrocken, wobei sie darauf achten, nicht von den schlauen Kumpanen beobachtet zu werden.