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(Corvus monedula)




Die Dohle ist kleiner als alle anderen schwarzen Krähenvögel der Gattung Corvus. Sie hat einen viel kürzeren Schnabel als Krähen und eine hohe Stirn, einen grauen Nacken und Hinterkopf, graue Ohrdecken, hellgraue Augen. Das restliche Gefieder ist oberseits schwarz erzglänzend, unterseits matter schwarz. Die Dohle fliegt mit kürzeren Flügelschlägen und schneller als die Krähen, mit denen sie oft in gemischten Trupps vergesellschaftet ist. An den unverkennbaren Rufen ist sie aber auch in solchen Schwärmen sicher bestimmbar. Die Größe beträgt etwa 33 cm; das Gewicht beträgt etwa 180 bis 270 Gramm, abhängig von der landwirtschaftlichen Ernährungsgrundlage. Dohlen können knapp 30 Jahre alt werden.


Die Dohle brütet von April bis Anfang Mai und legt in Intervallen von 24 Stunden meist vier bis sechs (im Extrem zwei bis acht) Eier, die in der Farbe zwischen blassblau und hellgrün mit graubraunen Flecken variieren. Die Brutdauer beträgt 17 bis 18 Tage und nach 28 bis 36 Tagen werden die Jungen flügge. Das Männchen versorgt das Weibchen während der Brutzeit.


Sehr vielseitiges Repertoire. Bekannt und unverwechselbar sind die hellen, weit hörbaren Rufe wie "jack", "kjöck". Erregte Dohlen können diese Rufe rasch reihen oder gequetscht scharren wie "kjerrrr". Die Stimme variiert individuell, Paarpartner erkennen sich schon auf Distanz an ihren Rufen.


Die Dohle brütet in mehreren Rassen vom äussersten Norden Afrikas über ganz Europa bis nach Zentralsibirien. In Nordeuropa und Nordrußland kommt sie nicht über den 65. Breitengrad hinaus. Die Rassen unterscheiden sich in der Gefiederfärbung. Im Westen sind die dunkelsten, im Nordosten die hellsten anzutreffen. Die Dohlen in Mitteleuropa, West- und Südwesteuropa, Italien und Marokko werden als die Rasse Corvus monedula spermologus zusammengefasst. Die Nominatform Corvus monedula monedula brütet in Skandinavien und Westfinnland. Im Süden und Westen steigen Dohlen als Brutvögel bis in Hochlagen, in Mitteleuropa liegt der Schwerpunkt der Verbreitung in Lagen unter 500 Metern NN, darüber wird sie bis 1000 Meter NN spärlicher. In den Schweizer Alpen steigt sie in den Haupttälern bis knapp 1500 Meter NN.


Die Dohle ist ursprünglich Bewohnerin halboffener Steppen. In geeigneten Lebensräumen ist sie hinsichtlich der Brutplatzwahl flexibel und brütet in Kolonien oder einzeln in Felsen, in Gebäuden wie Kirchen, in Mauerlöchern und -nischen von Ruinen oder in störungsfreien Dachstühlen, in Schornsteinen, in Baumhöhlen von Altholzbeständen oder Alleebäumen. Offene, halboffene oder parkartige Landschaften mit spärlich bewachsenen Freiflächen bieten gute Nahrungshabitate. Auch die in Baumhöhlen brütenden Dohlen finden sich zur Nahrungssuche ausserhalb des Waldes in der offenen Feldflur ein. Kurzrasiges, insektenreiches Dauergrünland (frische Mähflächen, Viehweiden), Trocken- und Magerrasen wie auch abgeerntete Felder sind gute Nahrungsgründe in der Kulturlandschaft. Der (Extensiv-) Grünlandanteil des Nahrungshabitats beeinflusst die Koloniegröße: je ergiebiger, desto mehr Dohlen. So werden besonders reiche Jagdgründe von Dohlen im Schwarm genutzt bis hin zu Massenansammlungen. In der Naturlandschaft sind dies z.B. Flussufer mit breitem Überschwemmungsbereich und Spülsäume anderer Gewässer, in der zivilisatorisch geprägten Kulturlandschaft Kläranlagen und Mülldeponien.

Die Raumnutzung variiert jahreszeitlich deutlich: In der Brutzeit werden nur Flächen im nahen Umkreis der Nester beflogen (möglichst unter 500 Meter Entfernung). Dies erklärt die hohen Anforderungen an die Lebensraumqualität der Nestumgebung als Vorraussetzung für erfolgreiches Brüten. Im Winterhalbjahr dagegen treiben sich die unter Umständen großen Schwärme weiter umher und nutzen abgeerntete Ackerflächen, Maisbrachen und teilweise auch Grünland. Im zeitigen Frühjahr werden Rasenflächen im Siedlungsbereich, frisch eingesäte (Sommer-)Getreideäcker und frisch gedüngtes Grünland aufgesucht.


Dohlen sind vielseitige Allesfresser, mehr als die anderen Corvus-Arten aber Insektenfresser. Die Hauptnahrung variiert mit Angebot und Erreichbarkeit. Massenvermehrungen von Insekten werden genutzt. Zur Brutzeit und Jungenaufzucht sind Großinsekten besonders wichtig. Im Winterhalbjahr können Vegetabilien wie Getreidekörner und Grassamen zur Nahrungsgrundlage werden. Je nach Keim- oder Reifezustand werden Getreidekeimlinge, Hülsenfrüchte (Erbsen), Salat, Kohl, Nüsse, sehr gerne auch Früchte wie Kirschen und Äpfel gefressen. Ganzjährig nehmen Dohlen Abfälle aller Art auf und erscheinen deshalb in Schwärmen (vermehrt im Winter) auch an Mülldeponien. Ältere Nahrungsuntersuchungen weisen eine Vielfalt an Großinsekten auf (Käfer, Heupferde usw.), die in neueren Untersuchungen weitgehend fehlt. Damit wird die Verarmung des Angebots im heutigen Landschaftszustand belegt. Auch an die Nestlinge werden, wenn sie heranwachsen, neben den zunächst vorherrschenden Insekten Vegetabilien verfüttert, z.B. reifendes Getreide. Vogeleier, Nestlinge und Kleinsäuger können erbeutet werden, fallen anteilmäßig jedoch bei allen Untersuchungen kaum ins Gewicht. Regenwürmer und Aas werden in gleichen Vorkommensgebieten von Dohlen weniger genommen, als von Elstern und Krähen.

Die hohe Lernfähigkeit und Auffassungsgabe kommt im sehr plastischen Nahrungserwerb zum Ausdruck: Dohlen haben individuelle "Techniken", die von anderen wiederum kopiert werden können. Meistens halten sie sich am Boden auf, picken, stochern, wenden Mist und Steine, um an Nahrung zu gelangen. Mit kurzen Flattersprüngen suchen sie fliegende Insekten zu erbeuten. Frisch gemähte Wiesen und kurzgefressenen Viehweiden können genutzt werden, solange die Vegetation nicht höher als 15 bis 20 cm ist. Dohlen lassen Roßkastanien aus einigen Metern fallen, damit sie aufplatzen oder weichen hartes Futter in Wasser ein. "Feinschmecker" spezialisieren sich manchmal auf Spatzenbrut oder sie fressen beispielsweise von Taubennestlingen nur die Innereien. In Dörfern und Städten sind Dohlen weniger scheu als Aaskrähen. Sie kontrollieren selbst auf belebten Plätzen oder Schulhöfen Abfallkörbe, in den Vorgärten Komposthäufen, fressen in Hühnerställen mit. Sie verstecken Futterbrocken und können sich viele Tage gut an den Versteckplatz erinnern.