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(Pyrrhocorax pyrrhocorax)




Etwas größer als die ähnliche Alpendohle hat die Alpenkrähe ein stärker glänzendes, schwarzes Gefieder, einen längeren und gebogenen, roten Schnabel und ebenfalls rote Beine, die länger als die der Alpendohle sind. Auf Distans ist die Unterscheidung dennoch recht schwierig. Im Flugbild fallen der kürzere und gerade abgeschnittene Schwanz und der größer wirkende Kopf auf. Die Schwingen sind im Gegensatz zur Alpendohle breiter mit mehr geradlinigem Hinterrand. Ein verlässliches Unterscheidungskriterium sind die viel gedämpfter, rauher klingenden Rufe. Bei gemeinsamem Auftreten in demselben Gebiet kommt es zwischen Alpendohlen und Alpenkrähen zu (seltener) Bastardierung. Jungvögel sind matter als die Alten gefärbt. Die Größe der Alpenkrähe beträgt etwa 40 cm. Das Männchen wiegt etwa 360 Gramm, das Weibchen 310 Gramm. Alpenkrähen können bis 25 Jahre alt werden.


Die Eiablage der Alpenkrähe findet von April bis Mitte Mai statt. Das Weibchen legt in eintägigen Abständen drei bis sechs Eier und brütet ab dem zweiten Ei. Das Männchen füttert das Weibchen während der Brutzeit, die 21 bis 23 Tage dauert. Die Nestlinge verlassen nach 37 bis 40 Tagen das Nest und werden danach nochmals 30 bis 40 Tage lang im Familienverband gefüttert.


Die Stimme ist rauher und gedämpfter als die der Alpendohle. Die Rufe tönen abgehackt wie "kjar", "chriää" oder "griää" klingend mit einem sehr flexiblen Vokabular. Ähnlich wie bei anderen Rabenvögeln gibt es spezielle wimmernd-glucksende Bettelrufe der Weibchen und eigene Auslöselaute für das Sperren der Jungvögel. Die Alarmrufe sind ähnlich schrill ""skirr" wie bei der Alpendohle oder hell gellende Schreie beim Hassen auf Greifvögel. Der Gesang ist ähnlich unbedeutend wie bei anderen Rabenvögeln- ein zwitschernd-schwatzendes, kratzendes Plaudern.


Die Nominatform (Pyrrhocorax pyrrhocorax pyrrhocorax) brütet als heute seltener Vogel an dem Küstenfelsen der Bretagne und den Westküsten Großbritanniens und Irlands. Die Unterart (Pyrrhocorax pyrrhocorax erythrorhampus) mit etwas längeren Flügeln umfasst die Alpenkrähen Spaniens, Südfrankreichs, der See- und Westalpen, Italiens, Siziliens und Sardiniens. Weitere Unterarten kommen in den Gebirgen Nordwestafrikas, vom Balkan bis Vorderasien, isoliert in Äthiopien und in einem zusammenhängenden Gebiet der zentralasiatischen Gebirge bis Nordwestchina vor. Die Verbeitung ist insgesamt ähnlich zerissen, wie bei der Alpendohle.


Teilweise brütet die Alpenkrähe an Felsküsten, so in Nordwestfrankreich, Großbritannien und Portugal. Sonst kommt sie in felsreichen, kargen Mittelgebirgen (Südeuropas) und überwiegen in Hochgebirgen vor. In den Pyrenäen von 700 bis 2300 Metern NN und im Himalaya bis knapp 500 Metern NN. In Mitteleuropa starker (historischer) Rückgang (in Österreich ausgestorben) und heute auf die Westalpen und das Aosta-Tal beschränkt. Dort besiedelt die Alpenkrähe Hochtäler mit kontinental gefärbtem Klima. Zerklüftete Steilwände dienen zur Nestanlage, trocken-warme und sonnenreiche Hänge mit Magerrasen, alpine Rasen und Schafweiden, sowie mageres Ackerland werden als Nahrungshabitate genutzt. Die Brutplätze in den Alpen liegen zwischen 1900 und 300 Metern NN. In Frankreich und Südeuropa brütet die Alpenkrähe auch in tieferen Lagen. Die Subkulturen der Lebensräume aber sind vergleichbar: störungsfreie Brutplätze in unzugänglichen, zerklüfteten Felshängen- und galerien und kurzrasige Flächen mit allenfalls spärlicher und offener Vegetation und mageren, lockeren Böden (stocherfähig und insektenreich) Extensive Beweidung fördert die Mengen und das Angebot an verfügbaren Insekten.


Alpenkrähen sind zwar Allesfresser, aber mehr als die Alpendohle, ausgeprägte Insektenfresser. Die Nahrungssuche erfolgt, ähnlich wie der Alpendohle, in Trupps, wobei sich Nachbarn oft mit Nichtbrütern zusammentun. Die Nahrung variiert mit dem örtlichen und zeitlichen Angebot. Ameisen sind vor allem in Nordwesteuropa wichtige Nahrungstiere, ansonsten gehören alle erreichbaren wirbellosen bis zu Großinsekten dazu. Kleinsäuger, Reptilien, Vogeleier- und nestlinge sind eher Gelegenheitsbeute. Im Herbst und Winter fliegen Alpenkrähen zu angeernteten Stoppelfeldern, um Getreidekörner aufzupicken. Dann pflücken sie auch vermehrt Beeren und hacken Früchte an. Mit dem langen Schnabel kann die Alpenkrähe in lockerem Boden bis zu fünf Zentimeter tief stochern, um an Nahrung zu gelangen. In den Alpen nutzt sie daher die feucht-frischen Stellen der alpinen Rasen mehr als die Alpendohle. Sie zirkelt in Spalten, wendet geschickt Steine oder Dung. Bodeninsekten werden pickend aufgelesen. Alpenkrähen können in höherer Vegetation auch kurz rüttelnd an Nahrung gelangen. Es werden keine Vorräte angelegt, keine Abfälle gefressen und nur bei Nahrungsmangel im Winter geht die Alpenkrähe an Aas.