Eingang Über mich Gästebuch Forum Impressum




(Corvus corone)





In Europa kommt die Aaskrähe in zwei deutlich, durch ihre Farbgebung, zu unterscheidenden Unterarten vor.

Einmal in der Rabenkrähe (Corvus c.corone) deren Gefieder einfarbig schwarz und weniger erzglänzend als das der in etwa gleichgroßen Saatkrähe ist. Der schwarze Schnabel der Rabenkrähe ist etwas stärker gebogen und höher und nicht so schlank und spitz, wie der Schnabel der Saatkrähe, aber auch nicht so klobig und groß wie der des Kolkraben. Auch klingt ihr Krächzruf heller und kürzer, als der von der Saatkrähe.

Die zweite europäische Unterart ist die Nebelkrähe (Corvus corone cornix). Sie ist unverwechselbar zweifarbig. Während das Gefieder an Brust, Bauch, Hinterhals und Rücken hellgrau ist, so ist das restliche Gefieder schwarz. Es gibt in Gebieten, in denen beide Arten vertreten sind Mischlinge, die in der Farbgebung unterschiedlich abgestuft sind. Die Farbe variiert hier von einem dunkleren grau bis hin zur größeren Ausdehnung der Schwarzfärbung, welche von der Schwanzwurzel aus das grau des Körpers ablöst. Von der Größer her sind beide Unterarten in etwa gleich. Aaskrähen sind ca. 47 cm groß. Das Gewicht beträgt bei weiblichen Tieren 430 bis 610 Gramm, bei männlichen Tieren 520 bis 650 Gramm. Das Höchstalter beträgt im Freiland 19 Jahre.


Die Aaskrähe brütet von März bis Juni, Hauptlegezeit ist jedoch der April. Die Aaskrähe legt in Intervallen von meist 24 Stunden, drei bis sechs (selten zwei oder sieben) hellblaue bis grünliche Eier mit brauner oder grauer Fleckung, die erst ab dem drittletzten oder vorletzten Ei bebrütet werden. Das Männchen versorgt während der Brutzeit, die 17 bis 21 Tage dauert, das Weibchen. Die Nestlinge verlassen nach 30 bis 35 Tagen das Nest und werden noch drei bis vier Wochen gefüttert.


Charakteristisch bei der Aaskrähe sind Rufe wie "kräh" oder "krah", die, wie oben schon beschrieben etwas kürzer und heller sind, als bei der Aaskrähe. Beim Hassen und Stossen auf Greifvögel ist ein kurzes Quarren wie "quarr" oder "krr" zu hören. Laute Alarmschreie wie "arr arr" gelten dem Habicht. Der Gesang ist, wie bei anderen Rabenvögeln ein bauchrednerisches Gequackel und Gekrakel. Die Aaskrähe ist ein begabter Imitator, Jungvögel lernen in menschlicher Obhut auch die Nachahmung der menschlichen Stimme.


Die Aaskrähe brütet in mehreren Unterarten vom Atlantik über ganz Europa (auf Island brütet sie nicht) bis nach Asien, Japan und Kamtschaka. Die Nordgrenze folgt ungefähr der Baumgrenze, die Südgrenze liegt etwa zwischen dem 30. und 40. Breitengrad. Die Rabenkrähe brütet in West- und Mitteleuropa östlich bis zur Elbe, bis Tschechien, bis in das österreichische Waldviertel, den Wiener Wald und den Ostalpenrand. Im Norden brütet sie bis zur Südgrenze von Dänemark und nach Nordostschottland. Im Süden liegt die Grenze von den Ostalpen entlang des Alpensüdrandes bis zu den Seealpen.

Die Nebelkrähe brütet in Italien, Irland, Nordwestschottland, ganz Skandinavien, Osteuropa, auf dem Balkan und bis Mittelasien. In der nur 50 bis 150 Kilometer breiten Überlappungszone beider Formen, existieren nur wenige Mischlinge, die äußerlich erkennbar Merkmale beider Arten tragen, als zu erwarten wären, wenn sich beide Arten uneingeschränkt paaren würden. Es ist jedoch momentan ungewiss, ob es äußerlich einer Art zuzuordnende Mischlinge gibt, die nur durch eine Entschlüsselung des Erbguts zu identifizieren wäre. Auch gibt es, nach neuesten Untersuchungen feine Unterschiede beider Unterarten, die abhängig sind von der Anpassung an den Lebensraum. Hier können Mischlinge (Bastarde) leicht benachteiligt sein und es schwer haben, einen passenden Partner zu finden, mit dem sie sich fortpflanzen können. Im Süden nutzt die Rabenkrähe mehr die Grünlandgebiete der Alpentäler, die Nebelkrähe ist mehr in Ackerbauflächen der Po Ebene zu finden. Die Aaskrähe steigt in den Mittelgebirgen bis in die Kammlagen, in den Alpen vereinzelt bis 1800 Meter NN.


Früher, in den ursprünglichen Naturlandschaften Europas, die einen sehr hohen Waldanteil aufbrachten, war die Aaskrähe auf natürliche Waldlichtungen und Waldränder angewiesen. Moorränder, Überschwemmungsbereiche mit Flussufern, Bachtäler mit Überschwemmungsblößen, See- und Meeresufer wurden genutzt. Auch heute noch in der durch den Menschen geöffnete Kulturlandschaft ist die Waldrandlänge ein wertbestimmendes Merkmal der Lebensräume der Aaskrähe. Dabei zeigt sie eine sehr große Anpassungsfähigkeit. Für den Nestbau muss ihr Lebensraum ausreichend mit Baumgehölzen, wie kleinen Wäldern für den Nestbau, sowie offenen Flächen mit kargem Pflanzenwuchs ausgestattet sein.

In großen geschlossenen Wäldern ist die Aaskrähe nicht zu finden, sie kann aber ansonsten alle Landschaften von bäuerlichen Kulturlandschaften bis zu städtischen Ballungsräumen besiedeln. Das Extrem ihrer Kulturfolge ist die zögernd im 19. Jahrhundert beginnende, seit dem zweiten Weltkrieg verbreitete Einwanderung in die Großstädte, mancherorts bis in die Stadtzentren. Oft verdrängt sie, obwohl sie scheuer ist als diese, die ihr unterlegene Dohle. Aaskrähen weichen bei der Reviergründung und Nestplatzwahl ihrem Hauptfeind, dem Habicht aus. Die Entfernung zu einem Habichtshorst sollte möglichst größer sein, als 1,5 Kilometer. Zwar verdrängt die Aaskrähe die Elster aus der freien Feldflur, doch profitieren mindestens zehn weitere Vogelarten vom Nestbau der Aaskrähe in den Gehölzen. Es handelt sich meist um Vogelarten, die nicht selbst nestbauend sind und die verlassenen Krähennester als geeignete Horst umbauen.


Wie die meisten Rabenvögel, sind auch Aaskrähen besonders vielseitige Allesfresser, die unter natürlichen Bedingungen an den Wechsel des Angebots von Jahr zu Jahr, von Landschaft zu Landschaft und den Wechsel innerhalb des Jahresverlaufs angepasst sind. Grob kann man sagen: Im Winterhalbjahr bevorzugen sie vorwiegend pflanzliche Nahrung, wie Beeren, Sämereien, aber auch Aas, im Sommerhalbjahr überwiegend tierische Nahrung wie Schnecken, Muscheln, Regenwürmer, Insekten, Kleinsäuger Vogeleier- und Küken. In Sonderfällen und im Kulturland wird dieses Grundschema höchst flexibel abgewandelt, abhängig von der Nutzung oder Struktur der Landschaft. In Ackerbaugebieten hat die pflanzliche Kost die Nase vorn. Nur von März bis Mai (Jungenaufzucht) überwiegt tierische Nahrung, mit der Aaskrähen ihre Nestlinge überwiegend füttern. Der Wirbeltieranteil bleibt oft unter fünf Prozent. In den ersten Tagen sind es meist Insekten, größere Nestlinge werden je nach (Haupt)angebot der Landschaft gefüttert. An Meeresküsten können das bis 70 Prozent Vogelbrut oder Fisch sein, in Kulturlandschaften mit Grünland sind Regenwürmer die Hauptnahrung.

Da die Aaskrähe sehr lernbegabt, flexibel und wendig ist, verfügt die über vielfältige Techniken zum Nahrungserwerb. Hauptsächlich ist sie ein Sammler, der am Boden jagt. Sie gräbt und stochert dabei aber weniger als die Saatkrähe. Sie bevorzugt frisch gemähte Flächen und kurzgefressene Weiden, die sehr insektenreich sind, kann aber auch in etwas höherem Gras erfolgreich Nahrung finden. Obwohl Aaskrähen in größeren Trupps auf Nahrungssuche gehen, jagt jedoch jede für sich. Insekte, Spinnen und Weichtiere werden vom Boden aufgepickt. Auch wendet die Aaskrähe Steine und Dung, um darunter Nahrung zu finden. Typisch sind kurze Flugjagden auf Heuschrecken. Die Aaskrähe beherrscht gut den Insektenfang in Bäumen und nutzt hier die Massenvermehrung von Käfern, Wicklern und Spinnern. Natürlicher Nahrungsbestandteil sind Eier von anderen Vögeln und deren Brut. Hauptsächlich handelt es sich hier um die Gelege von Schwimmnest- und Bodenbrütern.

Krähen lernen individuell und entwickeln hierbei je nach Jagderfolg ein "Suchbild", das sie offenbar im Langzeitgedächtnis speichern und so (nach Jahren) immer wieder anwenden können. Durch ihre Fähigkeit, jeweilige Situationen rasch zu begreifen, nutzt sie beim Nestraub geschickt Störungen durch den Menschen. Diese wären Feldarbeit, Mähen, Weideviehumtrieb und auch Spaziergänger. Aaskrähen lernen die Bedeutung von Markierungsstäben für Vogelnester bei ornithologischen Untersuchungen. In den Zentren der Großstädte nutzt die Aaskrähe systematisch die Brut der verwilderten Haustauben.

Die Aaskrähe verfügt über gewisse Spezialtechniken zur Nahrungsaufnahme. Dazu gehören: die Jagd zu zweit (zum Beispiel als Paar) auf Jungvögel und -hasen. Eine Krähe lenkt die Elterntiere ab, während die andere Beute macht, Fischfang wobei die Aaskrähe im seichten Wasser watet oder aus dem Flug heraus fängt, Stossjagd auf Kleinsäugetiere, gezieltes Erbeuten von Haushuhnküken nach genauem Erkunden der Lage, da Krähe ja nicht doof *g*, das Öffnen hartschaliger Objekte (z.b. Muscheln, Krabben) mit dem starken Schnabel oder durch Hochtragen und anschließendes Fallenlassen, wie es der Kolkrabe auch macht.

Aaskrähen halten sich gerne in der Nähe von Weidetieren auf. Sie fangen Insekten und Parasiten aus deren Fell, fressen an der Nachgeburt der Schafe und greifen gelegentlich sterbende, vom Mutterschaf nicht verteidigte Lämmer an. Angriffe auf gesunde Lämmer sind selbst in Schafzuchtgebieten die sehr seltene Ausnahme (Untersuchungsbeispiel: In zwei Jahren wurden von 1700 Lämmern ganze zwei angegriffen). Aas kann in großen Brocken gefressen werden. Toten Tieren werden zuerst die Augen ausgehackt. Das Fressen von Aas beginnt von der Zunge, vom Nabel oder vom After her. Große Tiere müssen erst von Füchsen oder Greifvögeln angeschnitten sein, bevor die Aaskrähe fressen kann.

Pflanzliche Nahrung wie Getreidekörner, Wurzeln, Knollen und Früchte werden aufgepickt und auch Stängel und Zweige werden erklommen und niedergedrückt, um an Samen zu gelangen. Harte Nüsse werden mit dem Schnabel aufgehämmert. In Innenstadtbereichen und Siedlungen werden Abfälle gefressen, da das Angebot an Mülltonnen, Abfalleimern, Mülldeponien, Komposthaufen, Tiergehegen, Massentierhaltungen und Getreiedsilos je nach Region sehr groß ist. Die Aaskrähe nutzt eben jede Nahrungsquelle mit möglicher "Beute" sehr geschickt. Auch ist sie ein kleiner Belästiger *g*, der Saatkrähen, Alpendohlen, Würgern und selbst Greifvögeln die Beute abzujagen versucht, in dem sie "Belästigungs-Flugmanöver" startet. Aaskrähen verstecken Nahrungsbrocken und finden diese auch unter Schneedecken wieder.